Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 14. 10. 1890
Adressat: Anna Spier


Stuttgart 14. Okt. 1890

Liebe Anna!

Es will immer noch nicht recht gehen. Ich lag wieder ein paar Tage im Bett und bin recht mißmuthig . ( ... )

Zwar habe ich dieser Tage die Korrekturbogen des 'Onkel Benjamin' korrigirt, von dem eine neue Auflage erscheint. Doch das ist ein Geschäft, das mehr anstrengt als Vergnügen macht. Grützner hat mir aufs nächste Jahr die längst geplanten Illustrationen versprochen - wers erlebt!

( ... ) Du hast gewiß ( ... ) Dich( ... ) in München und der Ausstellung herumgetrieben. Da hast Du bei dem einen oder andern Bilde wohl auch einigemal an mich gedacht, und an unsere Besuche im Jahr 1888. Sowas kommt nicht wieder.

( ... ) Ich komme mir nächstens vor wie jene Märchenfigur, die, wenn (((jemand))) ihr nahe kam, rief: "Rühr mich nicht an, ich bin von Glas!" Dabei habe ich so vieles auf dem Halse, das
geschehen sollte, und das nicht geschieht - daß ich mich am liebsten auf ein Vierteljahr lang einbalsamiren lassen möchte.

( ... ) Mach Dus besser, und sehreibe mir, was Du mit Freund Zießer in München gesehen und erlebt hast, damit mir wieder freundlichere Bilder den Hirnkasten bevölkern.

Herzliche Grüe von
     Deinem
           L. P...

Auch schöne Grüße an Zießer, falls er noch in Deiner Nähe ist.


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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