Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 3. 12. 1888
Adressat: Georg Ebers


Stuttgart, den 3. Dez. 1888
Königstraße 29

Hochgeehrter Herr!

Für die schöne Gabe und den freundlichen Brief, womit Sie mich ebenso sehr überrascht als erfreut haben, meinen herzlichsten Dank. Leute meines Fachs sind in Beziehung auf Anerkennung nicht verwöhnt und müssen sich zumeist mit der Befriedigung bezahlt machen, welche die nach höheren Zielen strebende geistige Arbeit an sich schon gewährt. Desto ermunternder ist es für sie, wenn sie einmal von geistig Mitstrebenden erfahren, daß ihre Bemühungen nicht wirkungslos sind und sie sich nicht im Leeren erarbeiten. Der erzählende Dichter befindet sich in einer günstigeren Lage, und Sie namentlich fanden in der praktischen Wirksamkeit des Lehramts eine unmittelbar mit dem bürgerlichen Leben verknüpfte Thätigkeit - eine Genugthuung, die ich immer entbehren mußte. Leider scheinen auch Sie derselben verlustig zu gehen, und mit herzlichem Bedauern habe ich von Ihnen erfahren, daß Ihr Leiden noch immer nicht vollständig gehoben ist; aber Sie haben wenigstens das Erfrischende eines lebendigen Berufs lange genug genossen, um noch eine Zeitlang an den Nachwirkungen zu zehren, und der beste Trost in stiller Zurückgezogenheit ist ja die schöpferische Thätigkeit, von welcher Sie so reichliche Proben liefern. Die meisten derselben
sind mir natürlich wohlbekannt; und namentlich die Erzählungen, welche auf ägyptischem Boden spielen, haben mir durch die Kunst, mit welcher das historisch-archäologische
Wissen zu dichterischem Schmuck und epischer Dekoration verwendet ist, ohne sich irgendwie lehrhaft aufzudrängen, ebensoviel Interesse eingeflößt als Genuß bereitet, um so mehr als sie mir eine neue, fremde Welt erschlossen.

Auf 'die Garde' freue ich mich recht und werde sie mir in den ersten freien Stunden zu Gemüth führen. So viel ich aus dem ersten Einblick ersehe, ist sie eine Erzählung aus dem fünfzehnten Jahrhundert mit der nöthigen Lokalfarbe und so viel gesundem Realismus ausgestattet, als auch der idealen Kunstschöpfung zu wünschen ist.

Was die Gesundheit betrifft, so kann auch ich mich des ungetrübten Genusses derselben nicht rühmen. Außer so manchen Beschwerden, die mit dem Alter kommen, leide ich am grauen Starr; mein rechtes Auge ist vollständig erblindet und die Sehkraft des linken wesentlich verringert, doch hoffe ich Besserung von einer Operation, der ich entgegensehe; denn der gegenwärtige Zustand hindert mich natürlich sehr am Arbeiten, und zwar doppelt, weil die von der Anstrengung des Sehens ermüdeten Kopfnerven Ruhe verlangen.

Da Ihnen die Verlagshandlung selber meine Bände schickt, muß ich die Revanche auf eine nächste Gelegenheit aufsparen, und bin mit erneutem herzlichen Dank für Ihren freundlichen
Gruß in aufricht((ig))er Hochschätzung

Ihr ergebener
      L. Pfau


Quelle: Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Sign.: Nachlaß Ebers 9
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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