Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 3. 3. 1887
Adressat: Anna Spier


Stuttgart 3/2. 87

Liebe Anna!

Dein Brief kam erst Dienstag hier an zugleich mit einem Freunde aus Paris, der sich ein paar Tage hier aufhielt und mich so in Anspruch nahm, daß ich zu nichts kommen konnte, um so
weniger als ich an einem drückenden Kopfweh litt ( ... )

( ... ) Die Gewohnheit ist eine Art geistigen Morphiums, das zwar manchmal einschläfender wirkt als gut ist, aber in großen Herzens- und Schmerzenskrisen eine heilsame Sänftigung
übt.

Auch ich muß ein ähnliches Mittel gebrauchen, indem ich mich wieder ernstlich hinter meine ästhetischen Arbeiten mache, denen ich in der Wahlagitation ganz entfremdet wurde und die sich jetzt an mir rächen, indem sie mir unliebliehe Fratzen schneiden. Die politische Niederlage (wenn sie mich auch nicht zu sehr anficht, da ich sie für ein künstlich hervorgebrachtes
und vorübergehendes Ereigniß halte) und mein augenblickliches körperliches Befinden sind auch nicht dazu angethan, mich in eine angenehme Stimmung zu versetzen, und so ist mirs in diesem Augenblick ziemlich ((mies)) zu Muthe. Wenn ich in Frankfurt wäre, wüßte ich schon, wie und wo ich mich kuriren würde. So muß ich mich aber schon allein wieder herausarbeiten.

( ... )

Im übrigen darfst Du wegen meiner ohne Sorge sein; ich bin heute schon wieder munterer, und in ein paar Tagen werd ich wieder im Geleise sein. ( ... )

( ... ) Grüße sie recht schön von mir, und sei auch Du herzlich gegrüßt
                                                   von Deinem
                                                                      L. P. …


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


Erläuterungen:


© 2013 by Günther Emig. Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.