Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 11. 3. 1885
Adressat: Emma Cless


Liebe Frau Emma!

Erlauben Sie mir, diese Blumen, als Zeichen meiner Theilnahme, Ihrem Vater auf den Sarg zu legen. Im Fall ich meinem Wunsche, ihn zur letzten Ruhestätte zu begleiten, nicht nachkommen kann, so werden Sie mich entschuldigen; aber der kalte Wind der letzten Tage hat mich etwas angegriffen, so daß ich nicht weiß, ob ich bei dieser zweifelhaften Temperatur dem längeren Stehen im Freien, und mit entblößtem Kopfe, werde Trotz bieten können.

Sie haben ein paar schwere Tage durchzumachen, und ich hätte sie Ihnen gerne tragen helfen, wenn ich nicht wüßte, daß die Schmerzen dieser Art ihren Augenblick der Einsamkeit und Innerlichkeit haben, wo alle äußere Tröstung leerer Schall ist. Der einzige wirkliche Trost ist die nachfolgende Erkenntniß, daß wir einem Naturgesetz gegenüberstehen, das in seiner Allgemeinheit und Unabänderlichkeit die Versöhnung in sich selber trägt.

Ich werde jedenfalls am Freitag nach Ihnen sehen. Sollten Sie aber am ((Dienstag)) nicht auf den Kirchhof gehen und nicht von einer Verwandtenschaar in Anspruch genommen sein, oder überhaupt meine Gegenwart wünschen, so wissen Sie, daß Sie über mich verfügen können.

Mit aufrichtiger Theilnahme und herzlichem Gruß
Ihr L. Pfau

Stuttgart, den 11. März 1885


Deutsches Literaturarchiv Marbach
Best.: A: Pfau
Nr.: 36.862
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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