Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 20. 3. 1855
Adressat: Ferdinand Hiller


Douai den 20. März 1855

Mein lieber Hiller!

Jüngst kamen bei anderweitigem Verkehr, den ich mit Backhaus in Leipzig hatte, die celtischen Volkslieder wie der zur Sprache, und er versicherte, daß er bei annehmbaren  Bedingungen immer noch geneigt sei, dieselben herauszugeben, indem er sich nochmals die Ansicht des Manuscripts erbat. Er scheint mir zwar ein Pfennigfuchser zu sein, mit dem nicht viel anzufangen; im Übrigen ist das M.S. nun lange genug auf der faulen Haut gelegen, daß es wieder einmal reisen kann, und Probiren geht über Studiren. Ich bitte Sie daher das besagte unglückliche M.S., das sich derzeit noch in Köln in Ihren Händen oder in denen Herrn Dumont's befindet, an die Backhaus'sche Buchhandlung in Leipzig zu expediren.

Soviel Sie am Datum sehen, halte ich mi ch augenblicklich in Douai auf, wohin ich von Paris aus einen Ausflug machte. Ich befinde mich sehr wohl hier, werde aber bis zur Ausstellung wieder nach Paris zurückkehren, wo man ohne Zweifel das Vergnügen haben wird, auch Sie im Hause der Sommers zu sehen oder, was noch besser wäre, zu hören.

Ich habe unlängst eine Auswahl Lachambeaudie'scher Fabeln in freier Bearbeitung in Dessau herausgegeben. Sie werden nächstens im Buchhandel erscheinen. Wenn sie Ihnen zufällig unter die Finger kommen, schenken Sie ihnen einen freundlichen Blick; sonst steht Ihnen auch ein Exemplar zu Diensten, wenn Sie eines wollen.

Hier habe ich eine kleine Erzählung geschrieben, die beinahe vollendet ist und welche ich der Kölner Zeitung anbieten möchte. Sie könnten mir vielleicht dabei einen Dienst erweisen, da Sie, soviel ich weiß, gut mit den betreffenden Personen stehen. Wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich Ihnen das M.S. seine Zeit zusenden, indem ich Sie im Voraus meines besten Dankes versichere.

Mit der Bitte, mich Ihrer liebenswürdigen Gemahlin auf's angelegentliebste zu empfehlen, grüße ich Sie freunschaftlich

Ihr
L . Pfau
30. Rue Bellain
à Douai - (Nord)


Stadtarchiv Köln
Sign. : Nacnlaß Hiller, Best. 1051, Bd. 24, S. 235-237
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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