Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 2. 8. 1847
Adressat: Gustav Schwab ("Morgenblatt")


Hochverehrtester Herr!

Indem ich Ihnen für die freundlichen Zeilen, mit denen Sie mir den Empfang meiner Gedichte anzeigen, herzlich danke, wage ich es, eine Bitte an Sie zu richten, zu der mich Ihre sonstige Freundlichkeit, mit der Sie sich junger Poeten annehmen, ermuthigt. Ich wünschte nämlich, daß einige meiner Gedichte im Morgenblatt abgedruckt würden mit einer ganz kurzen Bemerkung, welche dieselben als Proben aus einer demnächst erscheinenden (oder erschienenen - die Gedichte sind übrigens noch nicht versandt) Sammlung bezeichneten. Dieß ist schon anderweitig öfter geschehen und ich glaube doch nicht, daß das Morgenblatt so exklusiv sein wird, daß es blos Proben aus Cotta'schen Verlagsartikeln gibt; besonders, da es schon früher manche Gedichte von mir brachte.

Ich weiß nun wohl, daß Sie mit der Redaktion des Morgenblatts nichts mehr zu schaffen haben, aber Sie sind ohne Zweifel so gut bekannt mit Herrn Dr. Hauff, dem Redakteur desselben, daß, wenn Sie die Güte hätten, ein paar Gedichte, die Ihnen am besten gefallen, auszuwählen und sie Herrn Dr. Hauff zum Abdrucke zu empfehlen, derselbe auf Ihre Empfehlung hin keinen Umstand machen würde, meinem Wunsche zu entsprechen.

Ich bin begierig, wenn ich nach Stuttgart komme, ein letztes Urtheil aus Ihrem Munde zu hören, das für mich um so mehr Werth hat, gerade weil Sie kein Kritiker von Profession sind und bei Ihnen das unbewußte Urtheil des bloßen Gefühls, das doch auch nicht ohne Werth ist, sich mit dem Bewußten eines durch Studium gebildeten Geistes verbindet, eine Verbindung, die durch den Dichter vermittelt wird.

In der Hoffnung, daß Sie die Freiheit meiner Bitte entschuldigen, verbleibe ich voller Hochachtung

Ihr ergebenster
L. Pfau
Karlsruhe, den 2. Aug. 1847


Deutsches Literaturarchiv Marbach
Sign.: Hauff-Kölle M
Nr.: 36.073
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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