Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 12. 7. 1847
Adressat: Gustav Schwab


Hochzuverehrender Herr!

Beiliegend erlaube ich mir, Ihnen ein Exemplar meiner Gedichte zuzusenden, die endlich nach mannigfachen Kämpfen und Schicksalen, die Sie zum Theil kennen, das Licht der Welt erblickt haben. Das Urtheil von Freunden, wie H. Kurz und Kritikern, wie Prof. Vischer, läßt mich hoffen, daß auch Sie denselben Ihren Beifall nicht ganz versagen werden.

Wie ich nun endlich mit meinen Gedichten daran bin, weiß ich eigentlich selbst nicht. Meine Freunde heben hervor, daß bei gedrängtem Gedankengang und künstlerischer Abrundung ein ächtes, festes Menschenstreben dieselben durchdringen; daß sie größtentheils den glücklichen Mittelweg zwischen Gedanke und Empfindung zu treffen wissen, und sich ein gewisses Weltgefühl in denselben kund gäbe, wodurch die einzelne Empfindung einen allgemeineren und bedeutenderen Hintergrund gewinne - so, daß wenn auch im Einzelnen der äußeren Form sich kein Ringen nach neuen und pikanten Bildern geltend mache, doch dem Geist, der das Ganze durchdringe, der Charakter der Eigenthümlichkeit nicht abzusprechen sei.  Namentlich nennen sie die Behandlung mehrerer zeitgemäßer u. politischer Stoffe eine gelungene, indem diese Stoffe poetisch, nach Art Béranger's, u. nicht tendenzmäßig behandelt seien.

Freunde sind nun freilich milde Richter, und in wieweit ein größeres Publikum den Ansichten derselben beitreten wird, kann erst die Zukunft lehren, auf die ich, wie nun die Sachen der Poesie gegenwärtig stehen, nicht sehr bauen kann.

Lieb wäre mir es sehr, wenn ich gelegentlich Ihre Meinung erfahren könnte; denn um eine expresse Kritik wage ich Sie, bei den Geschäften, mit denen Sie ohne Zweifel überhäuft sind, kaum zu bitten. Ich hoffe,bis Herbst nach Stuttgart zu kommen, wo ich mir die Freiheit nehme werde, Ihnen aufzuwarten, und verbleibe indessen

Ihr ergebener
L. Pfau

Karlsruhe, den 12. Juli 1847
im König von Preußen


Universitätsbibliothek Tübingen
Sign.: Md 755/486
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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