Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 9. 7. 1847
Adressat: Justinus Kerner


Karlsruhe den 9. Juli 1847

Mein lieber Herr Doktor!

Beiliegend erlaube ich mir, ihnen ein Exemplar meiner Gedichte zu übersenden. Betrachten Sie die armen Kinder mit gnädigem Auge. Daß ich mich gegenwärtig in Karlsruhe aufhalte, werden Sie wahrscheinlich schon von meinen Eltern erfahren haben. Ich bin ein ambulanter Scribifax und schlage meinen Schreibpult bald da und bald dort auf. Was wollen Sie? Die Poeten sind gegenwärtig wie die Soldaten: »sie haben auf Erden kein bleibend Quartier.« Und das vagirende Leben ist auf eine Zeit lang schon recht; man macht Bekanntschaften und wird doch geistig angeregt, während man daheim hinterm Ofen versauert. Sie haben es freilich besser, zu Ihnen kommen die Leute; die Fremde spaziert in Ihrem Hause ein (((und))) aus; aber unsereins muß sich selbst auf die Beine machen, wenn es von der Fremde etwas profitiren will.

Ist denn die Miniaturausgabe Ihrer Gedichte noch nicht erschienen?

Ich denke immer, Sie werden diesen Sommer wieder nach Baden gehen, u. da hoffe ich Sie in Karlsruhe mit Ihrer lieben Frau zu sehen. Sie befinden sich doch beide wohl?

Neues habe ich Ihnen von Karlsruhe lediglich nichts zu berichten; das Leben ist hier so langweilig und geradlinig wie die Straßen, und wenn ich nicht einige liebe Freunde hier hätte, wäre ich schon wieder fort. Nun leben Sie recht wohl, und lassen Sie sich bald hier sehen. Mit der Bitte, meine Grüße Ihrer verehrten Frau mitzutheilen grüßt Sie herzlich

Ihr ergebenster
L. Pfau

NB. ich logire im König von Preußen.


Deutsches Literaturarchiv Marbach
Best.: A: J. Kerner
Nr.: KN 5.388
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


Erläuterungen:

Exemplar meiner Gedichte ]

»sie haben auf Erden kein bleibend Quartier« ] Aus Schillers »Reiterlied«

Miniaturausgabe Ihrer Gedichte ] »Die lyrischen Gedichte« erschienen in vierter Auflage bei Cotta

Ihrer lieben Frau ] Friederike Kerner (1786-1854)


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