Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 27. 1. 1847
Adressat: J. D. Sauerländer


Heilbronn, den 27. Jan. 47

Euer Wohlgeboren

geehrtes nebst Beilage habe ich erhalten und schicke anbei umgehend die Correktur zurück.

Die gemachten typographischen Veränderungen sind nun ganz nach Wunsch ausgefallen. Nur wurde das Format um den Betrag einer Zeile kleiner (S. pag. 42). Dieß ist nicht wünschenswerth, um so weniger, als zu befürchten steht, daß die zu den Terzinen nöthigen 24 Zeilen nicht auf eine Seite gehen möchten. Übrigens wird die Vergrößerung derselben um den angegebenen Raum keine Mühe machen, da ja der Satz der wenigsten bis jetzt gesetzten Gedichte bis an das untere Ende des Formats reicht. Noch sollte der Setzer die kleinen zweistrophigen Gedichte (S. pag. 40) etwas hinaufrücken u. zu den Schlußstrichen nicht allzudicke wählen.

Nun habe ich nur noch die Bitte beizufügen, daß Sie doch ja ein schönes starkes Papier wählen möchten, da auch das Publikum auf ein wohlausgestattetes Buch vielmehr Vertrauen hat, indem es Rückschlüsse macht auf das Vertrauen, das der Verleger selbst darauf hatte.

Ihrem Wunsche bezüglich einiger Verse v. J. Kerner würde ich gerne entsprechen, wenn es mir nicht gar zu sehr gegen den Mann ginge. Ich sah es immer als ein signum paupertatis an, ein solches Einführen, und glaube, daß man auch auf andere Art für Anerkennung von Gedichten wirken kann. Auch ist Kerner wohl eine Autorität, doch nicht ein Mann der Zeit, und seine Empfehlung würde in manchen Kreisen, wo man mehr auf die Materie als auf die Form, mehr auf die Grundsätze u. Gesinnungen des Dichters als auf den poetischen Werth der Gedichte Werth legt, nicht schwer wiegen. Freilich, bei denen, welche die Poesie eines Gedichts höher schätzen, als die Tendenz dersselben, wäre sie von Nutzen, aber solche erkennen auch den Werth einer Sammlung schon selbst u. lassen sich zuletzt auch durch eine Vorrede nicht bestimmen. Ich zweifle zwar nicht, daß Justinus meinem Wunsche willfahren würde, aber am Ende würde der gute Mann erschrecken, wenn er meine neueren mehr der Zeitrichtung folgenden Gedichte, die er nicht kennt, hinter seinem Vorworte abgedruckt fände. Ich werde Ihnen, wenn der Druck soweit vorgeschritten ist, noch einige wenigstens 1 Druckbogen betragende »Freiheitsgedichte« schicken. Dieselben werden mit den in der »neueren Folge« schon überschickten eine nicht unbedeutende Schaar bilden, die sich auch in jenen oben bezeichneten Kreisen Geltung verschaffen wird. Sie wissen selbst, wie viel gegenwärtig die zeitgemäße Richtung eines Buches zur Anerkennung desselben beiträgt, und es wird Ihnen deßhalb diese Nachricht nicht unangenehm sein.

Was den Contract betrifft, so hatte ich erst Zeit, ihn flüchtig zu überlesen. Ich halte es übrigens für das Beste, wenn wir bei dieser ersten Auflage gar keinen weiteren Contract abschließen würden. Die noch zu erfüllenden Punkte werden gewiß beide Parthien halten, weil es der beiderseitige Vortheil erheischt. Bei einer ersten Auflage aber schon einen Contract für alle folgenden abzuschließen, kann nicht gehen. Ich halte Sie für einen billigdenkenden Mann, u. Sie werden mich gewiß auch immer als solchen finden. So hoffe ich,
daß wir auch bei folgenden Auflagen immer gut mit einander auskommen werden; aber meine Produkte contractmäßig einer Verlagshandlung auf immer zu verschreiben, so daß ich nicht mehr Herr derselben bin, das werde ich nie thun. Wenn Sie übrigens einen unterschriebenen Contract wollen, so werde ich Ihnen einen solchen mit einem Nachtrage versehen mit meinem nächsten /Brief/ übersenden, denn ich bin im Allgemeinen mit demselben einverstanden und hoffe, daß Sie, im Fall ich bei der ersten Auflage ((einige)) Exemplare weiter nöthig haben sollte, um überall mit herumzukommen, mir dieselben gerne überlassen werden.

Für Ihre freundlichen Wünsche dankend, kann ich in Erwiderung derselben nur wünschen, daß sie in Erfüllung gehen möchten, weil das für mich wie für Sie angenehm wäre. In der Hoffnung, Sie im Laufe des Sommers einmal in Frankfurth selbst zu sehen, zeichne ich mit aller Hochachtung
Ihr
ergebenster
L. Pfau


Quelle: Universitätsbibliothek Frankfurt (Main)
Sign.: Ms. Ff. J. D. Sauerländer
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


Erläuterungen:

J. Kerner ] Justinus Kerner (1786-1862), lebte seit 1819 in Weinsberg. Die persönliche Bekanntschaft von Kerner und Pfau ist bezeugt.

signum paupertatis ] Armutszeugnis

Contract ] Über einen Verlagsvertrag (auch Entwurf) ist bisher nichts bekannt.


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