Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 26. 10. 1889
Adressat: Paul Lindau


Stuttgart, den 26. Okt. 1889
Wilhelmsplatz 7, I

Verehrter Freund!

Ich werde mein Möglichstes thun, aber ultra posse hört bekanntlich "alles auf". Im Begriff, in den nächsten Tagen nach Wiesbaden zur Operation zu gehen, über deren nachträgliche Dauer ich ganz im Ungewissen bin, kann ich natürlich nur meinen guten Willen versprechen; denn etwas Unnützes möchte ich nicht geschwind aus dem Ärmel schütteln.

Nach einem Verfasser der Besprechung werd ich mich umsehen. Wittmann hat bereits ein langes Feuilleton über mich in der "Neuen Freien Presse" gebracht, und an eine schnelle Arbeit ((Speidts)) ist nicht zu denken. Ich wüßte freilich noch andere, aber die Schwierigkeit ist die, daß der eine wohl die Gedichte besprechen will, aber in Beziehung auf die philosophisch-ästhetischen Schriften sich für incompetent erklärt, während der andere zu letzterer Bearbeitung längere Frist verlangt und sich von den Gedichten lossagt. Das Haupthinderniß ist die kurze Frist, und es ist nicht möglich, in dieser einen vollständigen, nach allen Seiten durchgearbeiteten Essay aufzubringen; denn wenn jemand, so müßten Sie, der Weitbekannte und Verbindungsreiche, es im Stande sein.

Es wird daher wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich vorerst mit einer Besprechung der Gedichte zu begnügen und eine Kritik des ästhetischen Theils nachfolgen zu lassen. Wenn Sie hiermit, zur Noth, einverstanden sind, so bitte ich um ein paar Worte Benachrichtigung so schnell als möglich, damit ich die Sache noch ins reine bringe, bevor ich ins (( Deuble oder Diable finde)).

Mit besten Grüßen
                     Ihr L. Pfau
27. Okt.
P.S. Im Begriff, diesen Brief abzusenden, erhalte ich Ihr Telegramm. Ich machte Versuche in Stuttgart, aber da ist ja niemand, der die Sache so plötzlich erledigen könnte. Ich war bei Dr. Ziel; der außer dem eben im Druck befindlichen Artikel aber noch einen anderen über denselben Gegenstand geschrieben hat, welcher bereits in den "Blättern für literarische  Unterhaltung'' erschienen ist, und daher nicht noch einen dritten schreiben kann, ohne an sich selbst zum Plagiator zu werden.

Ich habe vom Arzt die Aufforderung erhalten, in die Klinik zur Operation zu kommen; Sie werden daher begreifen, daß ich jetzt weder in der Lage noch in der Stimmung sein kann, in ein paar Tagen etwas Ordentliches zu schreiben. Mit auswärtigen Schriftstellern zu korrespondiren, ist die Zeit zu kurz. Es thut mir leid, daß ich Ihnen /nicht/ besser helfen kann; im übrigen haben Sie ja in Berlin eine Auswahl von Leuten, unter welchen sich doch einer muß finden lassen.

In Eile


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Sign.: A: Lindau, Nr. 59.753a
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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