Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 19. 4. 1893
Adressat: Anna Spier


Stuttgart 19. April 1893

Liebe Anna! Deinen Brief habe ich soeben erhalten, aber, außer Äußerlichkeiten, wenig daraus erfahren; er ist das verschleierte Bild zu Sais in Schreibschrift. Man meint, Du habest den Ausspruch Tallayrands, die Sprache sei dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen, zur Devise genommen. Über Deinen Kunstbericht schweigst Du beharrlich. Oskar sei abgereist, schreibst Du, sagst mir aber nicht einmal wohin, was in Deinem vorletzten Briefe noch eine schwebende Frage war. Deine Mammrotherei scheinst Du der Leichenverbrennung überantwortet zu haben, schickst aber nicht einmal ein Prise Asche als Wahrzeichen.

Im übrigen kam mir der Mammroth nur so im Laufe des Schreibens in die Feder. Zu einem nachträglichen Artikel ists jetzt zu spät - ist mir schließlich auch wurst. Daß er mir auf einen vertraulichen Brief nicht antwortete, ist eine Unart, und ich dachte mir, Du könntest sie ihm gelegentlich unter die Nase reiben, da ich nicht wußte, daß Du nicht mehr mit ihm stehst.

Was die Steiner'schen Bilder betrifft, so werde ich noch heute an Steiner schreiben. Schicke mir die Adresse des Bilderhändlers, dann werde ich mich direkt mit ihm in Verbindung setzen. Der hat nicht nötig, den Diffizilen zu machen, er soll froh sein, wenn man ihm die Bilder schickt. Vielleicht wärs auch einfacher, sie im Kunstverein auszustellen, nur weiß ich nicht, wie's mit dem bestellt ist, und eben weil ich die Verhältnisse nicht kenne, schrieb ich an Dich.

                             Dein
                                  L. P...

Mir geht es augenblicklich ziemlich erträglich; Ich lebe sehr eingezogen und bin noch mit der Ordnung meines Politischen beschäftigt. Grüße von mir und Marie.


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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