Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 31. 3. 1887
Adressat: Anna Spier


Stuttgart 31./3. 87

Liebe Anna!

Seit zwei Tagen bin ich immer im Begriff, Dir zu schreiben, und kann nicht dazu kommn, weil sie mir mit Rathhausaffairen und Uhlandsgeschichten auf die Bude steigen und mich gleich
aufgreifen und mitnehmen zu Sitzungen und Abmachungen. ( ... )

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Was die Ästhetik betrifft, so weiß ich Dir ohne weiteres kein Buch anzugeben, da ich die neuere Literatur, in der sich wohl etwas Brauchbares finden mag, nicht kenne. Ich habe seiner
Zeit nur die älteren Schriften über diese Materie gelesen, was in Lessing hierüber kommt, in Vischers Abhandlungen, in den Strauß'schen Polemiken ect., und hab mir im übrigen meine Ästhetik selber fabrizirt. In Beziehung auf Kunstgeschichte ist wohl Schnaase der bedeutendste Schriftsteller, den ich hauptsächlich studirte, auch Kuglers Kunstgeschichte, und dann eine größere Anzahl deutscher und französischer Spezialschriften über diesen oder jenen Zweig oder Meister. Ich selber habe keine Bücher, und wegen irgend eines passenden Handbuchs, das den Gegenstand mit Geist je durchdringen müßte, muß ich mich selber erst erkundigen. Ich habe mich so wenig als möglich bei andern Raths erholt, sondern
die Kunst selber mit ihren Schöpfungen zu meiner Lehrmeisterin gemacht.

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Grüße Kinder und Mann sowie Gretel und Dich selber von mir.

Herzlich
           Dein L. P ...


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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