Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 2. 11. 1886
Adressat: Anna Spier


2./11. 86

Stuttgart Dienstag Abend

Liebe Hexe! Da es Dir diesmal, von Samstag bis Mittwoch über 8 Tage, zu lang werden könnte, will ich Dir doch ein paar Zeilen an  D e i n e m  T a g e  schicken, obwohl Du inzwischen
nichts von Dir hören ließest.

Hoffentlich hast Du ordentliche Nachrichten von Deinem Papa und wartest in Ruhe in Deiner Häuslichkeit. Im letzteren Fall will ich Dir schriftlich meine Anerkennung zollen, die ich
Dir freilich weit lieber mündlich zu Theil werden ließe. Aber leider hast Du es in der Hexerei noch nicht so weit gebracht, auf dem Besen zu mir durch den Schornstein herabzufahren.

Grete hat mir am Freitag ein paar Zeilen geschrieben, um mich zu benachrichtigen, daß sie am Samstag nach Heidelberg fahre. Seit der Zeit bin ich in ((Unruhe)), nichts von Euch zu hören. Hoffentlich hat sie dort gute Auskunft erhalten.

Das Arbeiten würde mir noch einmal so gut schmecken, wenn ich mich Abends in einer Plauderstunde bei Dir erholen könnte. Ich weiß immer noch nicht recht, was ich mit meinen Abenden anfangen soll, und besinn mich allemal eine halbe Stunde, ehe ich mich entschließen kann, da- oder dorthin zu gehen. Und wo ich hingehe, gefällt mirs nicht. Es ist ein Elend.

Gestern war Professor ((Brinz)) (berühmter Rechtslehrer) von München hier, und ich brachte den Abend mit ihm zu. Er hatte eine Tochter hier verheiratet, die vor einigen Jahren verstorben ist, und da kommt er jedes Jahr am Allerseelentag, um ihr Grab zu besuchen.

Hast Du den Brief an Frl. Boisbois expediert?

Jetzt geh ich fort und trag den Brief auf die Post, daß Du ihn morgen früh bekommst; und dann geh ich zu Freund Haußmann und der Tante Billa.

Beste Grüße an Deinen Wittwer und seine zwei Kinder.

Gretchen danke ich für ihren Brief, und sie soll doch wissen lassen, wie es ihr geht.

Von Herzen
                 Dein L. P.


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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