Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 2. 1. 1847
Adressat: J. D. Sauerländer


Heilbronn, den 2. Jan. 1847

Euer Wohlgeboren

geehrtes vom 25. Dez. nebst der Anlage von ((Fl.)) 75 und dem Miniatursalon habe ich richtig erhalten und sende Ihnen anbei das Manuscript zurück. Einige Gedichte, die ich nicht aufgenommen wissen will, habe ich gestrichen; die neu hinzugekommenen aber betragen drei Bogen. Ich habe alles sehr sorgfältig redigirt, so daß der Setzer leichte Mühe haben wird; ich ersuche Sie deßhalb auch, auf sorgfältigen Satz zu sehen, u. mir die Correkturbögen, nachdem sie in Ihren Offizien nach dem Manuscripte durchgesehen u. corrigirt sind, zur letzten Redaktion zu schicken; ich werde sie jedesmal umgehend zurücksenden, damit Sie nicht aufgehalten sind mit dem Drucke. Es scheint mir dieß nothwendig, weil Fehler, die sich etwa einschleichen könnten, nirgends störender sind, als in Gedichten. Die dramatischen Szenen werde ich Ihnen senden, sobald der Druck so weit fortgeschritten sein wird, daß Sie dieselben brauchen.

Wenn Sie mir die Correcturbögen auf Orginal-Papier abziehen lassen wollten, wäre es mir lieb.

Die weiteren Bücher, die ich noch aus Ihrem Verlage wünsche, werde ich Ihnen in meinem nächsten /Brief/ bezeichnen. Hier sende ich Ihnen einige Portraits, deren künstlerische Ausführung mir für meine Sammlung nicht genügt, zurück, indem ich Sie bitte, mir den Betrag derselben für einen anderen Gegenstand gut zu schreiben.

Indem ich nun Ihrem Contract entgegensehe, zeichne ich mit vollkommener Hochachtung
L. Pfau


Quelle: Universitätsbibliothek Frankfurt (Main)
Sign.: Ms. Ff. J. D. Sauerländer
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


Erläuterungen:

Sauerländer] Johann David Sauerländer (1789-1869) übernahm die elterliche Druckerei und gliederte ihr 1816 den J. D. Sauerländer's Verlag und eine Sortimentsbuchhandlung an. Der Verlag produzierte zunächst billige Taschenbuchausgaben, oft als erstmalige deutsche Übersetzungen bekannter fremdsprachiger Autoren. Verleger der Zeitschrift des »Jungen Deutschland« »Phönix. Frühlingszeitung für Deutschland«, hrsg. von Eduard Duller mit einem Literaturblatt von Karl Gutzkow (darin Erstfassung von Büchners »Dantons Tod«). Besonders erfolgreich waren die Werkausgabe von Victor Hugo (1835) sowie die Bücher von Friedrich Rückert. Höhepunkt seiner politischen Editionen waren 1848/49 die »Stenographischen Berichte über die Verhandlungen der deutschen konstituierenden Nationalversammlung in Frankfurt am Main« (10 Bde., 1848–50). Nach dem Scheitern der Revolution verlegte Sauerländer vornehmlich Belletristik, darunter 1852 die Gesamtausgabe seines Jugendfreundes Clemens Brentano. 1855 gab er die Sortimentsbuchhandlung auf, 1867 verkaufte er die Druckerei, 1864 übernahm sein Sohn Heinrich Remigius die Leitung des Verlags. (ADB)

Miniatursalon] Miniatur-Salon. Eine Sammlung von Stahlstichen nach berühmten Gemälden lebender Künstler. Mit erläuternden Skizzen und biographischen Andeutungen begleitet von Dr. H. Weismann. Band 1. Frankfurt a. M.: Sauerländer 1847.

dramatischen Szenen] Der spätere Gedichtband (Pfau, Ludwig: Gedichte. Frankfurt a. M.: Sauerländer 1847) enthält außer den Gedichten noch das Dramen-Fragment »Karl Drang«.


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