Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 30. 12. 1889
Adressat: Anna Spier


Stuttgart 30. Dez. 1889

Liebe Anna!

Besten Dank für Deine Weihnachtssendung ( ... )

Hoffentlich hast Du den  U h l an d  zur richtigen Zeit erhalten. Er scheint Dir zwar nicht sehr ans Herz gewachsen, verdiente aber Deine kühle Ablehnung nicht und gehört jedenfalls
in jede ordentliche Bibliothek. ( ... )

Die 'Gegenwart' habe ich erhalten, der Aufsatz macht sich nicht übel, obwohl mehrfache Druckfehler, sogar in den (( sozirten )) Gedichten, etwas (( ... )) , z. B. "Um bittre Weisheit  e i n getauscht", statt  a u s getauscht, was den Sinn gerade verkehrt. Doch der Publikus liest gedankenlos über solches hinüber. Natürlich habe ich bereits hören müssen, daß zwar der Anfang, aber nicht das Weitere von Damenhand sein möge und daß - da das Geschlecht des Autors durch  m e in e  W i d m u n g  ans Tageslicht kam - wohl ich dahinter
stecken werde. Ich lade natürlich die,  a l l e n f a l l s ,  von männlicher Hand korrigirten Stellen auf Meister Spier ab.

Was den Artikel der 'Frkf. Ztg.' betrifft, so steckt nicht irgend eine dunkle Machination, wie Du anzudeuten scheinst, sondern Herr Mammroth selber dahinter. Derselbe schrieb nämlich an Dr. Ziel in Cannstadt, ob er den Artikel über mich nicht übernehmen wolle, und zwar in der allgemeinen ((herrischen)) Abschlachtung, die er von Zeit zu Zeit vornimmt - "er könne mir ja einen größeren Raum geben". Ich erklärte natürlich Dr. Ziel, daß ich mich für ein solches Abthun in Gesellschaft einer Anzahl poetischer Grünhörner schönstens bedanke, und wenn die 'Frkf. Ztg' nicht Platz zu einem Feuilleton für mich habe, so verzichte ich auf ihre publizistischen Dienste. Ich bitte Dich übrigens, (((mit))) Herrn Mammroth nicht davon zu sprechen; ignorire ihm gegenüber die Sache ganz. Ziel wollte in jenem Sinne von sich selber aus an Mammroth schreiben, ich hieß ihn aber vorerst nicht antworten. Vielleicht läßt sich für Ziels Artikel - der gründlicher werden sollte, als der Raum eines Feuilletons erlaubt - eine andere Unterkunft finden. Westermann hat ihm allerdings auf seine Anfrage eine abschlägige Antwort ertheilt, ohne Angabe der Gründe - die Sache schien ihm wohl nicht wichtig genug -, aber man könnte ihn vielleicht zu einer anderen Ansicht bringen, wenn ihm Ziel noch einmal schriebe. Vielleicht wäre auch mit der 'Deutschen Rundschau' etwas zu machen. Kurz, es wäre mir lieber, Ziel schriebe einen Revueartikel; Mammroth mag dann zusehen, wie
er sich hilft, da der Christtag nun vorbei ist, hat ja ein etwas Früher oder Später nichts mehr auf sich.

Nächsten Donnerstag oder Freitag werde ich nach München gehen. Mein Neffe ist dort angekommen, und die Angelegenheit des Denkmal-Entwurfs läßt sich nicht mehr länger hinausschieben. Ich werde wahrscheinlich im Hotel Bellevue, wo mein Neffe ist, logiren.

Zum neuen Jahre meine besten Wünsche. Grüße die Deinigen und die Freunde, die nach mir fragen, wie Dich herzlich grüßt
  Dein
           L. P ...


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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