Ludwig Pfau (1821-1894) · Briefedition


Datum: 7. 9. 1886
Adressat: Anna Spier


Stuttgart den 7. Sept. 1886
Gartenstraße 29

Es ist schändlich von mir, daß ich Sie auf Ihren liebenswürdigen Brief ohne Antwort gelassen; aber ich war zur Zeit recht unwohl und namentlich durch starke Hustenanfälle hirnerschüttert und kopfmüde. Ein verschobener Brief ist aber immer bei mir ein versäumter; und da ich inzwischen mit der Herausgabe der 6 Bände ›kritisch- ästhetischer Schriften‹, die nun im Begriffe sind, unter die Presse zu wandern, viel Geschäft und – was mich am meisten verstöbert – buchhändlerische Unterhandlungen hatte, so kam ich zu nichts.

Wenn Sie aber aus meinem Stillschweigen den Schluß ziehen würden, ich hätte Sie vergessen, so wären Sie doch sehr im Irrthum. Ich habe vielmehr oft an Sie gedacht, und zwar immer mit dem Wunsch und der Hoffnung des Wiedersehens. Die Aussicht, mir die Erfüllung dieses Wunsches zu verschaffen, trägt denn auch nicht das Wenigste dazu bei, daß ich mit dem Vorhaben umgehe, gegen Ende dieses Monats nach Frankfurt zu kommen, um die alten Freunde wiederzusehen. Daß ich, trotz der Jugend Ihrer Person und unserer Freundschaft, Sie in erster Linie dazurechne, müssen Sie eben leiden.

Wenn ich Ihnen diese Epistel schicke, geschieht es nicht allein, um Ihnen mit etwas besserem Gewissen unter die Augen zu treten, sondern hauptsächlich, um mich zu vergewissern, daß Sie zur Zeit nicht etwa in einer Sommerfrische oder auf Besuch abwesend sind, in welchem Falle ich mich einrichten würde, um Sie nicht zu versäumen. Ich kann nicht verlangen, daß Sie mit einem so schreibfaulen Menschen viel Umstände machen, aber im Fall Sie diesen Monat von Frankfurt abwesend wären, würden Sie mir das wohl mit einigen Worten zu wissen thun. – Weiteres mündlich.

Herzliche Grüße
                      Ihr L.Pfau


Quelle: Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N.
Best.: A: Pfau - o.Nr. -
Transkription: © 1983 Dr. Reinald Ullmann


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