Ludwig Pfau (1821-1894)

Allerlei Musen.

Epos
Die Dante, Milton und Klopstock verdarben
Dem Leser den Magen mit Mamutgedichten;
Nun komm' ich mit niedlich vergoldeten Pillen,
Den Gaum euch wieder einzurichten.

Ode.
Zu ätherisch ungereimt,
Kam ich dichtend aus der Mode,
Und so tracht' ich nun als »Od«,
Eine physikal'sche Ode.

Liebeslied.
Ich pfeife auf dem letzten Loch,
Kein Zapfen hilft, kein Leim –
So du nicht weißt, Sankt Freiligrath!
Auf Mitgift einen Reim.

Politisches Gedicht.
Verbannt nur mich gereimte Kritik,
Die Sache bleibt ungereimt kritisch,
Solang ihr bleibt, und jedes Gedicht
Wird unter der Hand euch politisch.

Bürgerliches Schauspiel.
Was im Großen wirkt und handelt,
Lebet in der Weltgeschichte;
Größe, die im stillen wandelt,
Fordert Lcben vom Gedichte.

Historisches Drama.
Wie! mein Held soll unwahr sein?
Seht doch! auf zwei Füßen steht er
Wie ein Mensch, und wollt ihr ihn
Nicht als Paul – so heißt ihn Peter.

Trauerspiel.
Schlecht gespielt habt ihr die Handlung:
»Freiheit« – und der Vorhang fiel;
Zu viel Trauer hat die Welt nun
Und der Geist zu wenig Spiel.

Lustspiel.
Und ich armes Lustspiel gar,
Wie soll ich mein Leben fristen?
Seit dem achtundvierz'ger Jahr
Giebt's nur Tröpfe noch und Christen.

Oper.
Ich spende hohen Kunstgenuß
Aus pappnen Zauberschalen –
Denn wenn die Welt von Freiheit träumt,
So muß man ihr was malen;
Und wenn das Volk nach Fortschritt ruft,
So muß man ihm was tanzen.
Musik gehört zum Ganzen.

Roman.
An meinem Realistentisch
Laßt euch nur baß bedienen –
Ihr liebt ja salzen Schweinefleisch
Und trotzet den Trichinen.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 393-395 .
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