Ludwig Pfau (1821-1894)

Der Heimgekehrte.

1847.

Sei mir gegrüßt, o Vaterland!
Schon kann ich deine Lüfte trinken,
Schon rührt mein Fuß an deinen Strand,
Auf deinen Boden darf ich sinken.
O Heimat, Heimat! – Rätselwort!
Klangst mir im Herzen fort und fort;
Ich sah die alten Fesseln winken
Und eilte aus der Freiheit Port.

Wie hast du so mit dunkler Macht
Mein freiheitdurstig Herz umsponnen?
Mir rauschten in des Urwalds Nacht
Der Ströme unentweihte Bronnen.
Der Schöpfung, wie ein träumend Kind,
Lag ich am Mutterbusen lind,
Und habe doch an dich gesonnen,
Indes in Palmen sang der Wind.

Heimat! mit jedem Morgenrot,
Das du mir sandtest, schwand mein Hassen;
Wie sehnt ich mich nach all der Not,
Dem Jammer all auf deinen Gassen!
O laß mich teilen deine Pein,
Rief ich, mein Volk, ich bin ja dein!
Wie konnt' ich dich im Kampf verlassen?
Hier bin ich frei – frei und allein!

Mag auch durch Wälder todesstill
Der Sturmchoral der Freiheit sausen –
Ach! wer sie recht besitzen will,
Der muß als Mensch bei Menschen hausen.
Der hat die Freiheit nie gekannt,
Der sie nicht sucht im Vaterland,
Und der in des Jahrhunderts Brausen
Nicht um sie rang mit eigner Hand.

Nimm deinen Sohn, o Heimat, nimm
Ihn wieder auf an deinem Herzen!
Gieb meinen Teil von deinem Grimm,
Mein Volk, mir und von deinen Schmerzen!
Mit dir zu kämpfen für dein Recht,
Wird jetzt der Freie wieder Knecht;
Die alte Scharte auszumerzen –
O schaff uns bald ein ernst Gefecht!


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 343-344 .
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