Ludwig Pfau (1821-1894)

Die Toten von Leipzig.

1848.

Zu Leipzig auf dem Felde,
Da raunt es in der Nacht:
Es erwachen all die Helden,
Gefallen in jener Schlacht.
Sie fingen und sie sagen:
»Wir liegen so manche Stund' –
Wann liegen wir Erschlagnen
In einem freien Grund?«

Sie sagen und sie klagen:
»Wir ließen Weib und Kind;
Die Freiheit zu erjagen,
Wir ausgezogen sind.
Wir haben sie erworben,
Wir fielen todeswund –
Wann ruhen wir Gestorbnen
In einem freien Grund?«

Sie klagen und sie singen:
»Wir ließen die Jugendlust,
Wir ließen den blauen Himmel,
Weh! über den Verlust.
Die Fürsten haben gebrochen,
Was sie schwuren mit bleichem Mund –
Wann rasten wir Betrognen
In einem freien Grund?

Wofür wir das Blut gelassen
In der großen Freiheitsschlacht,
Ein Spottlied auf den Gassen
Haben sie daraus gemacht.
Sie schlugen das Volk in Bande,
Das heißt ein deutscher Bund –
Wann schlummern wir Gefallnen
In einem freien Grund?

Wir sehen Feuer lohen –
Regt sich das Vaterland?
Wir hören dumpfes Grollen –
Naht sich des Rächers Hand?
Ihr Brüder! thut zur Feier
Uns in den Gräbern kund:
Jetzt schlafet ihr, Befreier,
In einem freien Grund.«


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 341-342 .
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