Ludwig Pfau (1821-1894)

Der rechte Name.

1849.

Bei Weinsberg liegt die »Weibertreu,«
Das wissen alle Leute;
Manch Sänger pries dies Schuttgebäu,
Manch Pilger kommt noch heute.

Doch daß der Frauen holde Schar
Die Männer dort getragen,
Das ist nicht gar so wunderbar,
Als wie die Dichter sagen.

Was dort ein deutscher Fürst gethan,
Das ist ja wunderbarer:
Er hielt sein Wort dem Unterthan,
Das ist, bei Gott! viel rarer.

Der Staufe sprach: »Ein Königswort
Sei fest wie Stahl und Eisen.« –
Kein Zollern kommandierte dort,
Und Rastatt kennt die Preußen.

Drum heiße »Fürsten treu« fortan
Die Burg den Pilgern allen –
Dann wird auch keiner Zweifel han,
Warum sie so verfallen.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 355 .
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