Ludwig Pfau (1821-1894)

Schwarzrotgold.

1848.

Wie nun auf jedem Fürstenhaus
Die deutschen Fahnen lodern!
Die Farben geben sie heraus,
Wenn wir die Freiheit fodern.
Doch soll ihr schwarzrotgoldner Tand
Uns nimmermehr verderben –
Denn unser schwarzrotgoldnes Band,
Das wollen wir selber färben.

Der schwarze Streifen ist der Tod,
Der ist uns nicht erlassen;
Und unser Blut gibt Röslein rot,
Die blühen auf den Gassen.
Nur mit dem Röslein in der Hand
Darf um die Braut man werben –
Und unser schwarzrotgoldnes Band,
Das wollen wir selber färben.

Was ihr auch sagt, wir wissen's doch:
Nur eine Freiheit gibt es;
Und dies GoId muß dir werden noch,
O Deutschland, du geliebtes!
Die Thrönlein müssen in den Sand,
Die Krönlein stracks in Scherben –
Und unser schwarzrotgoldnes Band,
das wollen wir selber färben.

Was soll uns euer Farbenspiel
Mit seinen faulen Grenzen!
Der freie Mensch ist unser Ziel,
Soweit die Farben glänzen.
Hei! euer altes Machtgewand
Verfällt den neuen Erben –
Dann wollen wir ein Völkerband
In eitel Purpur färben.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 351-352 .
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