Ludwig Pfau (1821-1894)

Flüchtlingssonette auf das Jahr 1849.

XV.

Zum Kön'ge kam der Teufel jüngst gegangen
Und sprach: »Mir fehlt ein würdig Herrscherzeichen,
Das einzig sei in meinen Höllenreichen,
Denn Hörner tragen alle meine Rangen.

Nach deiner Krone stehet mein Verlangen,
Gewälzt von dir in Thränen, Blut und Leichen,
Ist sie ein fürstlich Kleinod sondergleichen
Und völlig wert, auf meinem Haupt zu prangen.

Gevatter König! meinem Herzen teuer,
Ich werde diesen Liebesdienst erkennen,
Kommst du hernieder in mein höllisch Feuer.

Zum Vizeteufel will ich dich ernennen,
Ich finde doch kein bessres Ungeheuer,
Mein Höllenvolk zu schinden und zu brennen.«

Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 291.
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