Ludwig Pfau (1821-1894)

Der sterbende Dichter.

Die Glocke bebt und spricht mit lautem Dröhnen,
Wird sie gerührt von Freuden oder Klagen;
So klang auch meine Brust, an die geschlagen
Des Lebens Hammer – hier verhallt ihr Tönen.

Der letzte Ton, vom Tode angeschlagen,
Rührt schon die Schwingen – und er sei kein Stöhnen!
Wird auch kein Kranz die stille Stirne krönen,
Wird all mein Singen auch der Wind verjagen.

Auch ich war eine Welt im Kreis der Welten;
Was ich gelebt, es wird doch ewig leben,
Was ich gestrebt, es muß doch ewig gelten.

Mein Schwererrungnes werden andre erben,
Mein kleines Gut darf ich zum Ganzen geben,
Daß schönres Leben sprieße aus dem Sterben.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 257.
Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! © 1997-2012 by Günther Emig.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.