Ludwig Pfau (1821-1894)

Proserpina.

Proserpina, hinweggeführt vom Gatten
Aus Lenz und Licht zur Unterwelt, zur dunkeln,
Auf ihrem Thron, umgeben von Homunkeln,
Sehnt sich zurück zu den besonnten Matten.

Da will ihr Zeus von Frist zu Frist gestatten,
Emporzusteigen, wo die Goldranunkeln,
Die Purpurrosen aus dem Grünen funkeln,
Daß sie genese von dem Reich der Schatten.

Nun wandelt sie getrost durch Nacht und Schweigen;
Abwechselnd zwischen Freude und Entsagen,
Weiß sie mit Huld ihr Doppellos zu tragen –

Willst nicht auch du aus deinem Orkus steigen?
Ich bin kein Zeus, doch weiß ich deinem Leben
Von Frist zu Frist die Sonne heimzugeben.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 255.
Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! © 1997-2012 by Günther Emig.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.