Ludwig Pfau (1821-1894)

Frühe Liebe.

Beklag es nicht, mein Lieb, daß wir mit Beben
Der goldnen Jugend süße Frucht genossen,
Daß tausend Thränen kamen nachgeflossen
Für einen Strahl, den uns das Glück gegeben.

Der thränenfeuchte Boden macht es eben,
Daß unsre Liebe herrlich aufgeschossen,
Gleich einer Palme, breitend ihre Sprossen,
Wie Segensarme, übers ganze Leben.

Willkommen denn, ihr wirkungsreichen Schmerzen!
Ihr habt der Liebe diese Kraft verliehen
Des stolzen Wachstums, das die Welt besieget –

Bis sie das Haupt so hoch im Himmel wieget,
Daß unter ihr die dunkeln Wetter ziehen.
Und über ihr die heitern Lüfte scherzen.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 252.
Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! © 1997-2012 by Günther Emig.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.