Ludwig Pfau (1821-1894)

Flüchtlingssonette vom Jahr 1849.

IX.

Wie gnädig sich die hohen Herrn erwiesen!
Sie ließen euch ein ganzes Jahr lang schwatzen
Und eure Herzen, weisheitsvoll zum Platzen,
In ungestörter Wollust sich ergießen.

Sie dachten: wässert nur die deutschen Wiesen,
Wir ziehn die Krallen ein bei euren Fratzen,
Doch kommt die Zeit schon, wo wir wieder kratzen,
Dann werden wir des frischen Triebs genießen.

Und eh’ ihr noch zu Ende mit Beschließen,
Sind wieder Tiger worden aus den Katzen,
Da wurdet ihr zu Zwergen, ihr Maulriesen.

Jetzt fühlt auch ihr die allerhöchsten Tatzen
Der Herrn, die ihr geschont habt und gepriesen –
Nur schad’: es frißt der Tiger keine Ratzen.

Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 285.
Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! © 1997-2012 by Günther Emig.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.