Ludwig Pfau (1821-1894)

Bei Lützen.

Durchs Totenfeld bei Lützen, da schritt der Kaiser stumm –
Wie lagen da die Leichen auf blut'gem Plan herum!

Da lagen sie, wie Blumen vom Sturm der Schlacht geknickt;
Ruhig hat der stolze Kaiser den Garten überblickt.

Ein sterbender Gardiste, der flehte dumpf und hohl
Und hob die Hand: »Mein Kaiser! Das letzte Lebewohl!«

Vor einem deutschen Fähnrich, da stand der Kaiser just,
Der hielt mit starren Händen die Fahne auf der Brust.

Durchbohrt von sieben Kugeln, ließ er sie nimmer los –
»Ha!« sprach der Kaiser: »Schade! daß dieser kein Franzos!«

Da hat der todeswunde Gardist kein Wort gesagt
Und hat sich eine Kugel durchs brechende Herz gejagt.

Der Franzmann fiel dem Deutschen ans Herz, ein Schlafgesell –
Wie hat die grimmen Feinde der Tod versöhnt so schnell!


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 232.
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