Ludwig Pfau (1821-1894)

Jungfer Zimperlich.

Es war im Blumengarten
An einem Maien klar,
Da ging die Jungfrau Zimperlich
Ju ja Zimpferlich,
Den werten Kranz im Haar.

Da kamen drei flinke Reiter,
Sie hielten die Rößlein an,
Sie grüßten gar minnig die schöne Maid,
Ju ja schöne Maid,
Die Ritter wohlgethan.

Der Erste sprach: »Du Feine!
Gieb mir ein Läublein nur
Von deinem grünen Jungfernkranz,
Ju ja Jungfernkranz,
Um diese Perlenschnur.«

»Herr Ritter mit silbernen Flocken!
Ich liebe nicht Reif und Schnee;
Denn weißes Haar und Jungfernkranz,
Ju ja Jungfernkranz,
Stimmt wie Juhe! und Oweh!«

Der Zweite sprach: »Du Holde!
Gieb mir ein Knösplein klein
Von deinem Kränzlein rosenrot,
Ju ja rosenrot,
Um diesen Edelstein.«

»Herr Ritter mit schwarzen Locken!
Ihr schwenkt mir zu wilden Busch;
Denn krauses Haar und krauser Sinn,
Ju ja krauser Sinn,
Da geht die Lieb' husch, husch!«

Der Dritte sprach: »Du Süße!
Gieb mir den vollen Kranz
Und nimm dafür den Ring zum Pfand,
Ju ja Ring zum Pfand,
Und nimm dafür mich ganz.«

»Herr Ritter mit goldenem Vließe!
Eure Farb' ist mir zu bunt;
Denn rotes Haar und Erlenholz,
Ju ja Erlenholz,
Die wachsen aus schlechtem Grund.«

Die Reiter flogen weiter,
Es flog des Sommers Glanz;
Es kam die gelbe Herbsteszeit,
Ju ja Herbsteszeit,
Da welkete ihr Kranz.

Sie trug ihn allerwegen
Mit Silber und rotem Gold;
Doch kam zu Rosse keiner mehr,
Ju ja keiner mehr
Der's Kränzlein haben wollt'.

Mit dem verblühten krönte
Sich da der dürre Tod;
Der hatte kein Haarlein auf dem Kopf,
Ju ja auf dem Kopf,
Nicht weiß, noch schwarz, noch rot.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 206-207.
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