Ludwig Pfau (1821-1894)

Die schlechte Welt.

Hurra! der Wein, der Wein ist gut –
Wie schön ist doch das Leben!
Mit jedem Schlucke wächst mein Mut,
Und wächst mein edles Streben.
Auf Ehr’! ich bin fürs Menschenrecht,
Was Herren und was Knechte! –
O Gott, wie wär’ die Welt so schlecht,
Wenn ich an morgen dächte.

Hei! leichtes Blut und froher Sinn! –
Wie schön ist doch das Leben!
Du allerschönste Kellnerin,
Laß einen Kuß dir geben!
Komm her, ich bin ein feiner Hecht
Und liebe dich nach Noten –
O Gott, wie ist die Welt so schlecht!
Das Lieben ist verboten.

Noch eine Flasche, edler Wirt! –
Wie schön ist doch das Leben!
Wer viel geliebet hat, dem wird
Ja vieles auch vergeben.
Nur frisch gesungen, frisch gezecht!
Und laßt den Alten sorgen –
O Gott! wie ist die Welt so schlecht!
Der Wirt will nicht mehr borgen.

Gutnacht, ihr Brüder, insgemein! –
Wie schön ist doch das Leben!
Zum Himmel hebt mich dieser Wein,
Ich darf, statt gehen, schweben.
Was sich das Häuservolk erfrecht!
Es tanzt ja wie besoffen –
O Gott! wie ist die Welt so schlecht!
Mein Haus ist nicht mehr offen.

He, holla, he! Mein Herz wird schwer –
Wie schön wär’ doch das Leben,
Wenn nur kein Katzenjammer wär’,
Ach! und kein Weib daneben!
Ich weiß nicht mehr, was link, was recht;
He! läut mir, lieber Wächter! –
O Gott! wie ist die Welt so schlecht!
Und täglich wird sie schlechter.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 148-149.
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