Ludwig Pfau (1821-1894)

Volksweisen.

XI.

O Mutter! was hab’ ich gethan
Der Ring ist schuld daran:
Mein Lieb hat ihn vergeben,
Das kostet mich das Leben;
Einem Hauptmann gab sie ihn.

Ich ging und ward Soldat,
Das reute mich zu spat.
Wollt’ mir den Urlaub holen
Mit meinen flinken Sohlen,
Den Urlaub ins freie Feld.

Mein Hauptmann vor mich trat –:
»Wohin des Wegs, Kamrad?«
Hält vor die blanke Klinge,
Hat an der Hand viel Ringe –
Dabei meiner Liebsten Ring.

Die Sonne schien so hell,
In einen klaren Quell
Wohl auf der grünen Heide,
Da warf ich weg die Scheide,
Weg warf ich das Kollett.

Und gab ihm Schlag auf Schlag,
So viel er parieren mag.
Da kam in den klaren Bronnen
Das rote Blut geronnen –
Das war des Hauptmanns sein Blut.

Ade du schöne Welt!
Mein Urtel, das ist gefällt:
Der Hauptmann ist erschlagen,
Ich leb’, doch in drei Tagen
Erschossen muß ich sein.

Und wer da weint und lad’t,
Das ist mein Kamerad;
Er führt mich unter die Linden,
Thut mir die Augen verbinden
Mit seinem Taschentuch.

Soldaten! Und ist’s vorbei,
Vollbracht mit Pulver und Blei,
So legt in ein weißes Linnen
Mein Herz mit den Kugeln drinnen
Und bringet’s meinem Schatz.

Ihr Brüder! was ich euch bitt’:
Sagt’s meiner Mutter nit;
Das ist mein letztes Verlangen –
Sagt lieber, ich sei gefangen,
Sie säh’ mich nimmermehr.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 139-140.
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