Ludwig Pfau (1821-1894)

Burschenlieder.

XIV.

Im tiefsten Thale wohnt mein Kind,
Von Bergen ganz verborgen –
So hoch wie diese Berge sind,
So groß sind meine Sorgen.

Durch Felsen bricht ein schmaler Steg,
Der wankt und schwankt im Winde –
Ach! noch viel schwanker ist der Weg,
Der Weg zu meinem Kinde.

Weit außen aus dem letzten Stein,
Hoch über wilden Bächen,
Nickt eine Blum' im Sonnenschein –
Wer kann die Blume brechen?

Ja, wenn die Ströme stille stehn,
Erbarmen sich die Steine –
Und wenn die Berge weiter gehn,
Dann wird mein Lieb die Meine.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 110.
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