Ludwig Pfau (1821-1894)

Nachtkönigin.

Der Himmel ist das Schloß der Nacht,
Die hohe Fraue sitzt im Saal;
Die Welt entschlief, die Treue wacht
Bei ihrer Lampe mildem Strahl.

Es wallt ihr kohlschwarz Samtgewand,
Ihr rabenschwarz Gelocke weht;
Die Spindel rauscht in ihrer Hand,
Die Spindel, die sich ewig dreht.

Sie spinnt und spinnt die goldne Schnur,
Darauf sie die Gestirne reiht –
Die Sterne sind die Perlen nur
Im stillen Meer der Ewigkeit.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 83.
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