Ludwig Pfau (1821-1894)

Wie eine Blüte.

O dürft’ ich doch wie eine Blüte
So freudig stehn im frommen Feld
Und tief aus innerstem Gemüte
Frei wachsen unterm Himmelszelt.

Und könnte so mein blühend Leben
Entfalten klar im Sonnenschein,
Und hätte nichts der Welt zu geben
Als meinen Duft und Glanz allein.

Und hätte nichts der Welt zu fodern,
Der reichen Welt, als Thau und Licht,
Und könnte ungestört verlodern
Im Strahl, der aus mir selber bricht.

O dürft’ ich doch wie eine Blüte,
Mutter Natur! dein liebstes Kind,
Dir ruhn am Busen voller Güte
Und sanft verwehn im Abendwind.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 72.
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