Ludwig Pfau (1821-1894)

Licht aus Nacht.

Sonst bin ich diesen Weg gegangen
Bei hellem Tag in Fröhlichkeit,
Da sah ich tausend Felder prangen
In bunter Fülle weit und breit.

Jezt wandl' ich hier, das Herz beklommen,
Und auf der Erde ruht die Nacht,
Da hat mich plötzlich überkommen
Des ganzen Himmels Wunderpracht.

Ja, wenn der Tag am Himmel schwebet
Und in der Brust die Seligkeit,
Da sieht man, wie die Erde lebet
In dumpfer Lust und Trunkenheit.

Doch kommt die Nacht mit ernster Hülle,
Und leise wie die Nacht der Schmerz,
Dann öffnet sich des Himmels Fülle,
In seine Tiefen schaut das Herz.

Erst wenn der Erde Sonnen weichen,
Beginnt die rechte Tageszeit –
Da strömt aus jenen dunkeln Reichen
Der helle Strahl der Unendlichkeit.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 81.
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