Ludwig Pfau (1821-1894)

Verhängnis.

Unser schöner Traum ist ausgeträumt,
Seel' um Seele haben wir gegeben -
Wohl uns! Daß wir keinen Kuß versäumt,
Eh das Schicksal trat in unser Leben.

Keine Klage hilft, es sollte sein!
Unsre Lust war eine bange, herbe -
Manche Blume weckt ein Frühlingsschein,
Daß vom Reif der nächsten Nacht sie sterbe.

Mit der Freiheit schwanger geht die Zeit,
Und sie wird im Sturmgeheul entbunden -
Wo der Geist im Kampfe sich befreit,
Da empfängt das arme Herz die Wunden.

Neues Leben leb' in neuer Welt!
Sieh, der Liebe Maß ist voll geregelt -
Kämpfe gibt's, wo selbst das Weib eine Held,
Wenn die Menschheit ihre Ketten schüttelt.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 37.
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