Ludwig Pfau (1821-1894)

Terzinen.

III.

Hab Dank, mein Lieb, für deine Blumenspende,
Welch reicher Flor, den keine Stürme knicken!
Die zarte Schöpfung deiner kleinen Hände,
Mein Auge wird nicht satt, sie anzublicken.
Hell hebt sich aus dem Grunde, aus dem dunkeln,
Die bunte Schar, mir freundlich zuzunicken.
Die roten Rosen, goldenen Ranunkeln,
Die weißen Lilien scheinen aufzuleben
Und mich wie stille Märchen anzufunkeln.
In ihnen liegt von deinem Sorgen, Streben
Begraben manch geheime Liebeskunde,
Die du hineingestickt mit ems'gem Weben
In mancher für mich aufgesparten Stunde;
Wie unserer Liebe Blumen, will mir deuchten,
So stehn sie licht auf schwarzem Trauergrunde.
Wohl müssen sie in solchem Schimmer leuchten,
Denn manche Tränenperle ist geronnen
In solche Kelche, sie mit Tau zu feuchten;
In deinem Auge durften sie sich sonnen,
Und aus des Mädchenherzens süßen Trieben
Hast du ihr farbig Blumenkleid gesponnen.
Dein treues, starkes, nieverglühndes Lieben
Hast du der Rose in den Kelch gegossen;
Dein Opfermut, der stets sich gleich geblieben,
Ließ so in Goldglanz die Ranunkel sprossen;
Dein weiblich holdes Sehnen, Sinnen, Bangen
Hat duft'gen Hauchs die Lilie überflossen.
Ach! Eine Welt von schmerzgenährtem Prangen
Schaut auf zu mir aus diesem kleinen Raume;
Die Augen sind in Tränen mir vergangen,
Als stünden sie deines Lebens Traume.
Bringst du mir hier die Blumen treubeflissen,
Die ich von deiner Jugend goldnem Baume
In heißer Liebe ungestüm gerissen?
Doch nein! du hast mir Strauß um Strauß gegeben,
Und was du gabst, du kannst es nicht vermissen -
Du bist so reich! - so fahre fort zu weben:
Mit sanfter Hand und zärtlichem Bemühen,
Wie in den Teppich, flecht in unser Leben
Die schönen Blumen, welche nicht verblühen.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 34-35.
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