Ludwig Pfau (1821-1894)

Liebesboten.

Wer treulich liebt, ist nicht verlassen,
Sei er auch einsam und allein:
Es wird ihn alles lind umfassen,
Es will ihm alles Bote sein.

Die Täler blühn, die Wipfel klingen,
Die Auen grüßen, wo er zieht;
Und manche trauten Orte singen
Von Liebe ihm ein heimlich Lied.

Und wo er wandelt auf den Wegen,
Lauscht seinem Wunsch das stille Land
Und bringet Blumen ihm entgegen
Zu einem süßen Liebespfand.

Und Vögel tragen seine Lieder
Auf ihren muntern Schwingen fort;
Und seine Grüße hallen wieder
Zum fernen Lieb von Ort zu Ort.

Und Windes Wehn und Waldes Rauschen,
Die bringen tausend Küsse mit;
So kann er Liebeskunde tauschen
in weiter Welt auf jeden Schritt.

Und selbst des Himmels goldene Sterne
Sind seiner Liebe zugetan
Und ziehen in die dunkle Ferne
Von Herz zu Herzen lichte Bahn.

Und alles will ihn lind umfassen,
Und alles will ihm Bote sein -
Wer treulich liebt, ist nicht verlassen,
Sei er auch einsam und allein.


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 16-17.
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