Ludwig Pfau (1821-1894)

Spiegelung.

Sonst schaut ich in den See so gern:
Aus seinem Grunde, wunderbar,
Blickt auf zu mir so nah und fern,
So nah und fern,
Der ganze Himmel tief und klar.

Doch als ich in dein Auge sah,
Da war kein Wunder diesem gleich:
Entgegen kommt so fern und nah,
So fern und nah,
Mir auch ein ganzes Himmelreich.

Und steigt der Abendstern herauf,
Entzündet sich des Sees Nacht -
So geht im Aug' ein Stern dir auf,
Ein Stern dir auf,
So oft mein Aug' in deines lacht.

Laß', wie der Stern im See ruht,
Mein Auge über deinem stehn -
So lang, so tief, so hellgemut,
So hellgemut,
In seines Glückes Spiegel sehn!


Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 9.
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